In unserem Artikel über Antwortsysteme ging es um eine Frage: Kommt ihr in der Antwort überhaupt vor? Dieser Artikel geht einen Schritt weiter. Denn neben Systemen, die antworten, entstehen Systeme, die handeln.
Ein KI-Agent bekommt einen Auftrag wie: „Finde drei Steuerkanzleien in München, die auf Freiberufler spezialisiert sind, vergleiche ihre Konditionen und schlag mir Termine für ein Erstgespräch vor.“ Er sucht, liest Websites, vergleicht und legt ein Ergebnis vor. Der Mensch entscheidet am Ende, aber die Vorauswahl hat jemand anderes getroffen.
Eine ehrliche Einordnung vorweg
Wie verbreitet das heute schon ist, lässt sich schwer messen. Die Werkzeuge gibt es, und sie werden besser. Aber dass ein nennenswerter Teil der Anbieterauswahl im B2B über Agenten läuft, ist eher eine Entwicklung, die wir erwarten, als eine, die wir belegen können. Wir halten sie für wahrscheinlich genug, um sich darauf vorzubereiten.
Das Gute daran: Fast alles, was eine Seite für einen Agenten lesbar macht, macht sie auch für Menschen besser. Ihr optimiert also nicht für eine Wette, sondern für zwei Zielgruppen zugleich.
Was ein Agent anders macht als ein Mensch
Ein Mensch verzeiht viel. Er überfliegt, ergänzt fehlende Informationen aus dem Kontext und lässt sich von einem guten Foto überzeugen. Ein Agent tut nichts davon. Er hat eine Aufgabe und Kriterien. Was er nicht findet, existiert für ihn nicht. Was er nicht eindeutig zuordnen kann, wird zur Lücke im Vergleich, und Lücken führen zum Ausschluss.
Das verschiebt, was auf einer Website zählt. Weniger Stimmung, mehr Auskunft. Weniger „Wir sind anders“, mehr „So arbeiten wir, das kostet es, so geht es los“.
Fünf Dinge, die ein Agent finden muss
1. Eine Leistung in Klartext, mit Grenzen
Was bietet ihr an, für wen, und was nicht? Ein Agent, der „Kanzlei für Freiberufler“ sucht, muss diese Aussage auf eurer Seite finden, nicht erraten. Je klarer die Abgrenzung, desto sicherer kann er euch zuordnen. Hier überschneidet sich die Arbeit vollständig mit der Positionierung.
2. Konditionen und Ablauf
Preisrahmen, typische Dauer, die Schritte von der Anfrage bis zum Start. Viele Anbieter scheuen das, weil jedes Projekt anders ist. Aber ein Agent, der drei Anbieter vergleichen soll und nur bei zweien einen Rahmen findet, wird den dritten entweder ausschließen oder mit einer Vermutung füllen. Beides ist schlechter als eine ehrliche Spanne.
3. Eine saubere Struktur
Echte Überschriften statt gestalteter Textblöcke. Eine Seite pro Leistung statt einer langen Seite für alles. Dazu strukturierte Daten nach schema.org, die maschinenlesbar sagen, wer ihr seid, was ihr anbietet und welche Fragen ihr beantwortet. Das ist kein Geheimwissen, sondern Handwerk, und es wird auf den meisten Seiten trotzdem vergessen.
4. Ein Weg zu handeln
Wenn der Agent den Auftrag hat, einen Termin vorzuschlagen, braucht er einen Weg dorthin. Ein Kontaktformular mit klar benannten Feldern, ein Buchungslink, eine eindeutige Telefonnummer. Ein Formular, das nur aus „Ihre Nachricht“ besteht, ist für einen Menschen in Ordnung. Für einen Agenten ist es eine Sackgasse ohne Anhaltspunkt, was ihr eigentlich wissen wollt.
5. Dieselbe Aussage an allen Orten
Ein Agent liest nicht nur eure Website. Er liest euer Google-Profil, euer LinkedIn, Branchenverzeichnisse, vielleicht Bewertungen. Stehen dort unterschiedliche Leistungen, Preise oder Zielgruppen, bekommt er kein Bild, sondern einen Widerspruch. Und einen Widerspruch löst er im Zweifel zu euren Ungunsten auf.
Wie groß der Unterschied ist, zeigt ein ausgedachtes Beispiel. „Jedes Mandat ist individuell. Sprechen Sie uns an, wir finden gemeinsam die passende Lösung“ ist freundlich, enthält aber keine einzige Angabe, die sich vergleichen lässt. „Laufende Buchhaltung und Jahresabschluss für Freiberufler. Monatliche Pauschale ab 180 €, Start innerhalb von zwei Wochen. Erstgespräch: 30 Minuten, kostenfrei, online buchbar“ sagt einem Menschen, woran er ist, und ein Agent kann es direkt in seine Tabelle übernehmen. Die Zahlen sind Platzhalter, wichtig ist nur, dass es überhaupt welche gibt.
Was das für eure Seite bedeutet
Die gute Nachricht ist, dass ihr dafür keine zweite Website braucht. Ihr braucht eine Website, die festlegt, was sie sagt. Das ist dieselbe Arbeit, die eine Seite auch für Menschen besser macht: weniger Behauptungen, mehr Auskünfte, eine Aussage, die überall gleich lautet.
Der Unterschied liegt in der Konsequenz. Ein Mensch verzeiht eine vage Leistungsseite, wenn das Gesamtbild stimmt. Ein Agent verzeiht nichts. Wer für Agenten schreibt, schreibt automatisch präziser, und davon profitieren alle Leser.
PLATZHALTER. Optional ein kurzer Test: Einen Agenten (z. B. ChatGPT mit Websuche) beauftragen, drei Anbieter einer Kundenbranche zu vergleichen, und dokumentieren, an welchen Stellen er Lücken meldet oder rät. Das wäre ein eigener, nachvollziehbarer Befund statt einer Behauptung.
Was ihr diese Woche selbst prüfen könnt
- Der Agententest. Gebt einem KI-Assistenten mit Websuche den Auftrag, euch mit zwei Wettbewerbern zu vergleichen: Leistung, Zielgruppe, Preisrahmen, nächster Schritt. Lest, was er über euch schreibt, und vor allem, was er nicht findet.
- Die Konditionsfrage. Sucht auf eurer Seite nach einer Angabe zu Preis, Dauer oder Ablauf. Wenn ihr länger als eine Minute sucht, findet ein Agent sie auch nicht.
- Der Quellenabgleich. Legt Website, Google-Profil und LinkedIn nebeneinander. Stehen überall dieselben Leistungen für dieselbe Zielgruppe?
- Das Formular. Schaut euch euer Kontaktformular an, als wüsstet ihr nichts über euch. Wird klar, welche Angaben ihr braucht, um eine Anfrage einzuschätzen?
Ob Agenten in zwei oder in fünf Jahren einen großen Teil der Vorauswahl übernehmen, weiß heute niemand. Eine Seite, die klar sagt, was ihr anbietet, was es kostet und wie man anfängt, ist in beiden Fällen die bessere Seite.