Viele Dienstleister messen den Erfolg ihrer Website an der Zahl der Anfragen. Das ist verständlich, weil Anfragen sichtbar sind und alles davor nicht. Aber die Zahl sagt wenig. Zehn Anfragen, von denen acht nicht passen, kosten mehr Zeit als drei, die alle passen.
Die eigentliche Arbeit einer B2B-Website passiert vor der Anfrage. Ein Interessent prüft, ob ihr zu ihm passt. Fällt die Prüfung positiv aus, meldet er sich. Fällt sie negativ aus, ist er weg. Und fällt sie gar nicht aus, weil die Seite keine Grundlage dafür liefert, meldet er sich vielleicht trotzdem, und dann beginnt die Prüfung im Erstgespräch, auf eure Kosten.
Der Anruf ist die zweite Entscheidung
Im B2B-Geschäft kauft selten jemand spontan. Wer eine Kanzlei, eine Unternehmensberatung oder einen IT-Dienstleister sucht, hat meist eine kurze Liste. Die entsteht über Empfehlungen, eine Suche oder eine Antwort in ChatGPT. Dann wird gesichtet.
Diese Sichtung ist die erste Entscheidung, und sie ist härter, als die meisten vermuten. Es geht nicht darum, ob ihr gut seid. Das setzt der Interessent voraus, sonst wärt ihr nicht auf der Liste. Es geht darum, ob ihr für sein Problem, seine Größe und seine Situation die richtigen seid.
Vier Signale, auf die ein Interessent achtet
1. Für wen ihr arbeitet
Das stärkste Signal ist das einfachste: eine klare Aussage, für wen ihr da seid. Branche, Unternehmensgröße, Situation. „Für mittelständische Unternehmen“ ist dabei kein Signal, das sagt jeder. „Für Familienunternehmen mit 50 bis 200 Mitarbeitenden, die zum ersten Mal eine zweite Führungsebene aufbauen“ ist eins. Wer sich darin erkennt, liest weiter. Wer sich nicht erkennt, spart sich und euch ein Gespräch.
2. Beispiele aus seiner Welt
Referenzen wirken nicht durch ihre Zahl, sondern durch ihre Nähe. Ein Interessent aus dem Maschinenbau sucht nicht nach bekannten Logos, sondern nach einem Fall, der seinem ähnelt. Drei gut beschriebene Projekte aus der richtigen Welt schlagen zwanzig Logos ohne Zusammenhang.
3. Eine Größenordnung
Nichts kostet beide Seiten mehr Zeit als ein Gespräch, an dessen Ende sich herausstellt, dass das Budget um eine Größenordnung daneben liegt. Ihr müsst keinen Preis nennen. Aber ein Rahmen hilft: wie lange ein typisches Projekt dauert, ab welcher Größe es sich lohnt, ob ihr eher in Wochen oder in Monaten denkt.
4. Eine Grenze
Das unterschätzteste Signal ist das, was ihr nicht macht. Ein Satz wie „Wir übernehmen keine reine Umsetzung ohne Konzeptphase“ schreckt die ab, die genau das suchen. Und er zeigt allen anderen, dass ihr eine Haltung habt. Grenzen machen eine Aussage glaubwürdig, weil sie etwas kosten.
Ein ausgedachtes Beispiel macht den Unterschied sichtbar. „Wir unterstützen Unternehmen jeder Größe ganzheitlich bei ihren Herausforderungen, von der Analyse bis zur Umsetzung“ schließt niemanden aus, deshalb fühlt sich auch niemand gemeint. „Wir begleiten inhabergeführte Unternehmen zwischen 30 und 150 Mitarbeitenden durch den ersten Generationswechsel. Reine Umsetzungsaufträge nehmen wir nicht an“ nennt Zielgruppe, Situation und Grenze. Diese Fassung verliert Interessenten, und genau dafür ist sie da.
Weniger Anfragen sind kein Verlust
Der häufigste Einwand gegen eine klare Positionierung lautet: Dann melden sich weniger. Das stimmt. Es melden sich weniger, die nicht passen. Die, die passen, melden sich eher, weil sie sich gemeint fühlen.
Für einen Dienstleister mit zwei bis zwanzig Leuten ist das keine Kleinigkeit. Jedes Erstgespräch kostet eine Stunde Vorbereitung, eine Stunde Gespräch und oft ein Angebot, das niemand annimmt. Eine Website, die vorher filtert, gibt euch diese Zeit zurück. Und sie verschiebt das Gespräch: Statt zu klären, ob ihr passt, könnt ihr über das Problem reden.
Dazu kommt ein Effekt, der erst später sichtbar wird. Wer klar sagt, für wen er arbeitet, wird auch klarer weiterempfohlen. Ein zufriedener Kunde kann nur so präzise empfehlen, wie ihr euch selbst beschreibt.
Was ihr diese Woche selbst prüfen könnt
- Die letzten zehn Anfragen. Sortiert sie in passend und nicht passend. Schaut bei den unpassenden nach, was sie gemeinsam haben. Genau das gehört als Grenze auf die Seite.
- Der Erkennungstest. Lest eure Startseite mit den Augen eures besten Kunden. Findet er sich im ersten Absatz wieder, mit seiner Branche, seiner Größe, seiner Situation? Wenn nicht, sucht er beim nächsten Mal woanders.
- Die Referenzprobe. Zählt, wie viele eurer Referenzen einem typischen Interessenten wirklich ähneln. Wenn es weniger als drei sind, beschreibt diese wenigen ausführlicher, statt mehr Logos dazuzustellen.
- Der Grenzsatz. Formuliert einen Satz, der mit „Wir machen nicht“ beginnt. Fällt euch keiner ein, ist das schon die Antwort.
Passung entsteht nicht im Gespräch. Sie wird dort nur bestätigt. Was vorher auf der Seite steht, entscheidet, wer überhaupt zum Gespräch kommt.